KI verändert Sichtbarkeit: Warum klassische KPIs nicht mehr reichen

Ich glaube, wir stehen an einem Wendepunkt: Die Frage ist nicht mehr, wie ranke ich bei Google ganz oben, sondern wie bleibe ich in einer KI-dominierten Welt sichtbar?

Sichtbarkeit verändert sich. Und viele KPIs sagen heute wenig aus

In den letzten Monaten beobachte ich, wie sich die digitale Sichtbarkeit komplett verändert. Früher war klar: Viel Traffic ist gut, hohe Klickzahlen sind gut, viele Impressionen auch. Heute ist das nicht mehr so einfach. Wir merken in Kundenprojekten, dass sich das Verhalten der Nutzer, aber vor allem das Zusammenspiel mit KI, stark verändert.

Recherche findet oft nicht mehr über 10 geöffnete Tabs statt, sondern mit einem einzigen Prompt an eine KI: „Was ist die beste Lösung für …?“ oder „Vergleiche Anbieter für …“. Und dann kommt oft eine Antwort – schon mit Empfehlungen. Da klickt niemand mehr zehn Links an. Vielleicht noch einen oder zwei, um ein letztes Gefühl zu bekommen. Aber die Vorarbeit hat längst eine Maschine übernommen.

Das verändert alles.

Werden Klicks jetzt nutzlos?

Nein. Aber sie sind weniger wert als früher, oder zumindest: nicht mehr so eindeutig zu interpretieren.

Was ich oft sehe: Unternehmen verlassen sich komplett auf Klicks oder Impressionen, um ihre Kampagnen zu bewerten. Aber was sagen die Zahlen wirklich aus?

  • Viele Klicks? Ok, aber wer sind diese Leute? Was passiert danach?
  • Hohe CTR? Gut, aber haben sie konvertiert?
  • Geringe Absprungrate? Schön, aber kam auch eine Anfrage, ein Anruf, eine Bewerbung?


Ich finde, Klicks waren schon immer nur ein Teil der Wahrheit. Und viele messen heute noch komplett blind, oder falsch. Die einen haben gar kein Tracking eingerichtet. Die anderen messen zwar „Conversions“, aber keiner weiß, ob das wirklich Anfragen oder Bewerbungen waren, oder jemand nur kurz auf „Kontakt“ geklickt hat.

Wir haben schon viele Kunden übernommen, die dachten, sie würden messen. Und am Ende war fast nichts richtig eingerichtet.

Und das gilt übrigens nicht nur für organische Kanäle wie SEO, sondern auch für bezahlte Werbung. Ich kann heute sehr günstig Klicks über Google Ads oder Facebook Ads einkaufen. Aber wenn die Leute abspringen oder nicht zur Zielgruppe gehören, ist das Geld verschwendet. Und leider wird auch in vielen Kampagnen noch immer zu viel auf CPC oder CTR geschaut, statt auf echte Zielvorhaben wie Leads oder Bewerbungen.

Und jetzt kommt KI noch obendrauf

Wenn jetzt KI den Großteil der Recherche übernimmt, wird das für Unternehmen, die schon heute nicht richtig messen, noch viel schwerer. Denn sie wissen schon nicht, woher ihre Leads kommen. Wie sollen sie es dann in Zukunft wissen, wenn die Touchpoints verschwimmen?

Deswegen ist jetzt der Zeitpunkt, um umzudenken. Und zwar dringend.

Aktuell sehen wir in vielen Projekten, dass die organischen Klicks zurückgehen. Das passiert branchenübergreifend. Wie stark dieser Rückgang noch wird, wissen wir nicht. Es wird sicher Menschen geben, die weiter manuell suchen und klicken, aber insgesamt verschiebt sich das Such- und Entscheidungsverhalten spürbar.

Was das für Websites bedeutet, für KPIs, für Auswertungen, das müssen wir genau beobachten. Wichtig ist jetzt: Nicht panisch reagieren, sondern mit kühlem Kopf analysieren. Und mit Partnern sprechen, die Erfahrung mit Daten, Tracking und KPI-Auswertung haben.

Was wir heute schon besser machen (und viele andere eben nicht)

Wir bei aktivComm, die Digitalagentur der ABT Mediengruppe, setzen seit vielen Jahren auf fundiertes Tracking. Für unsere Kunden messen wir nicht einfach nur Klicks, sondern die Dinge, die wirklich zählen:

  • Anfragen
  • Bewerbungen
  • Downloads
  • Telefonanrufe
  • konkrete Ziele, die das Business wirklich voranbringen
 

Und trotzdem sprechen wir regelmäßig mit Unternehmen, die uns sagen: „Wir generieren jetzt viel weniger Klicks. Unsere Kampagne läuft nicht mehr so gut.“

Hier ist es ganz wichtig, nicht sofort in Aktionismus zu verfallen. Weniger Klicks bedeuten nicht automatisch, dass eine Kampagne schlechter performt. Es kann auch bedeuten, dass:

  • KI einen Großteil der Vor-Recherche übernimmt,
  • weniger Menschen überhaupt auf die Seite kommen,
  • die Marke aber trotzdem in KI-Antworten zitiert oder empfohlen wird,
  • der finale Kontakt gar nicht über die Website erfolgt, sondern direkt über LinkedIn, Mail oder ein Telefonat.

Gleichzeitig kann eine Kampagne mit mehr Klicks trotzdem schlechter sein, wenn die falschen Leute klicken, wenn es keine Conversions gibt oder wenn die Erwartung nicht zur Landingpage passt. Genau deshalb müssen wir aktuell sehr genau hinsehen, woher Daten kommen, wie wir sie interpretieren und was sie wirklich aussagen.

Die Interpretation wird entscheidend. Und wer heute nur die Zahlen liest, ohne sie zu verstehen, trifft schnell die falschen Entscheidungen.

Die neuen Herausforderungen: Bewertung, Präsenz, Relevanz

Was uns die KI-Zeit beibringt: Es reicht nicht mehr, nur auf Google zu ranken. Oder nur auf LinkedIn präsent zu sein. Oder nur eine saubere Website zu haben.

Die Marke muss:

  • erwähnt werden
  • bewertet werden
  • diskutiert werden
  • zitiert werden
  • präsent sein, in Foren, auf Plattformen, bei Medien, in Videos, auf Social Media
 

Ich glaube, wir müssen aufhören, nur Websites zu denken. Und anfangen, in Wirkung zu denken.

Fazit: Keine Panik. Aber auch keine falsche Sicherheit.

Ich habe keine fertige Antwort. Aber viele gute Fragen. Und noch mehr Beobachtungen. Ich glaube, wer heute noch rein auf klassische SEO-KPIs schaut, verpasst den Wandel. Und wer nicht misst, was wirklich zählt, der wird bald komplett im Dunkeln stehen.

Was wir bei aktivComm tun:

  • Wir helfen, die richtigen KPIs zu definieren
  • Wir setzen Tracking auf, das funktioniert und DSGVO-konform ist
  • Wir interpretieren, was die Zahlen bedeuten
  • Und wir denken mit, auch wenn es (noch) keine klare Lösung gibt

Die Spielregeln ändern sich. Wer sie früh versteht, spielt morgen vorne mit. Wer heute blind ist, wird morgen nicht mehr gefunden.

Über den Autor Michael Abt

Michael Abt ist Geschäftsführer der aktivcomm GmbH und Experte für Leadgenerierung, Performance Marketing und KI-gestützte Marketinglösungen (CustomGPTs). Er ist ausgebildeter Mediengestalter, Diplom-Wirtschaftsingenieur (Print-Media-Management, Hochschule der Medien Stuttgart) und Dialogmarketing-Manager.

Seit 2013 verantwortet er Marketing und Business Development bei aktivComm und begleitet Unternehmen beim Auf- und Ausbau ihrer digitalen Sichtbarkeit – von Websites und Tracking über Kampagnen bis hin zu praxisnahen KI-Anwendungen mit messbarer Wirkung.

Zusätzlich ist Michael Abt geschäftsführender Vorstand des Marketing Club Rhein-Neckar und im regelmäßigen Austausch mit Marketingverantwortlichen, Agenturen und Unternehmen aus der Region.

Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Leadgenerierung, Marketingstrategie, Automatisierung, KI im Marketing sowie die sinnvolle Verzahnung von Print und Digital.

 

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